Bei Drupal vs. Liferay geht es weniger um einen direkten Wettstreit als um die Frage, welche Aufgabe eine Hochschule erledigt haben möchte. Drupal ist im öffentlichen Web am stärksten: Hauptwebsite, Fakultäts- und Institutsseiten, Studiengangsseiten und Profile von Lehrenden, die Studieninteressierte, Eltern, Journalisten und Suchmaschinen sehen. Liferay ist hinter dem Login am stärksten: Portale für Studierende und Beschäftigte, Intranets und interne Anwendungen. Für eine Hochschule, die ihre Hauptwebsite und ihr Netz an Fakultätsseiten neu aufbaut, ist Drupal in der Regel die bessere Wahl. Für ein großes, authentifiziertes Portal, das Dokumente, Formulare, Genehmigungen und Verwaltungssysteme an einem Ort bündelt, bleibt Liferay ein ernstzunehmender Kandidat.

Der Vergleich verdient 2026 zudem einen neuen Blick, denn Liferay hat seine kostenlose Community Edition eingestellt und durch einen per Schlüssel aktivierten Free Tier ersetzt. Dieser Leitfaden vergleicht beide Plattformen aus Sicht der Hochschulen, erklärt, was die Lizenzänderung in der Praxis bedeutet, und zeigt, wann welche Plattform sinnvoll ist.

Websites und Portale sind unterschiedliche Aufgaben

Die digitale Landschaft einer Hochschule besteht aus zwei Hälften. Die öffentliche Website wird von Menschen gelesen, die nicht angemeldet sind – Studieninteressierte, die Studiengänge vergleichen, Eltern, Journalisten und Suchmaschinen. Dort kommt es darauf an, Dutzende oder Hunderte Websites von einer Plattform aus zu betreiben, in mehreren Sprachen zu veröffentlichen, in Suchmaschinen gefunden zu werden und die gesetzlichen Anforderungen an Barrierefreiheit zu erfüllen.

Das Portal ist das Gegenteil. Studierende melden sich an, um Stundenpläne einzusehen und Dokumente zu beantragen; Beschäftigte melden sich an, um interne Nachrichten zu lesen und Formulare einzureichen. Die Seiten sind personalisiert, für Suchmaschinen unsichtbar und werden meist aus Verwaltungssystemen wie Banner, PeopleSoft oder Workday gespeist. Dort zählen Berechtigungen, Workflows, Dokumentenmanagement und die Bündelung interner Anwendungen unter einem Dach.

Die Stärken von Drupal liegen in der ersten Hälfte, die von Liferay in der zweiten. Liferay kann auch öffentliche Websites betreiben, doch auf den eigenen Produktseiten stehen Portale und Intranets ganz oben in der Liste der Lösungen. Die Verbreitung von Drupal im Hochschulbereich stammt aus öffentlichen Websites: Eine Studie von The Drop Times auf Basis des QS World University Rankings ergab, dass 80 % der 100 weltweit führenden Universitäten Drupal auf mindestens einer Website einsetzen.

Die Stanford University zeigt, wie diese Aufteilung in der Praxis aussieht. Stanford Sites, die zentrale Plattform, auf der Fakultäten, Institute und Labore ihre Websites erstellen, läuft auf der neuesten Drupal-Version. Laut einer Fallstudie des Implementierungsdienstleisters Base22 lief das Portal für Studierende und Lehrende in Stanford auf Liferay DXP, als Base22 es neu gestaltete. Ein Campus, zwei Plattformen – jede erledigt die Aufgabe, die sie am besten beherrscht.

Was sich 2026 geändert hat: das Ende der Liferay Community Edition

Jahrelang bot Liferay zwei Produkte an: die kostenlose Community Edition (CE) und das abonnementbasierte Liferay DXP. Laut Liferay erschien das letzte CE-Release Anfang 2025. Ab dem Release 2026.Q1 wurden beide zu einer einzigen Plattform zusammengeführt, deren Funktionen über einen Aktivierungsschlüssel freigeschaltet werden, und die kostenlose Nutzung wanderte in einen neuen Free Tier.

Der Schlüssel für den Free Tier wird kostenlos über den Liferay Marketplace angefordert, ist 12 Monate gültig und an die bei der Registrierung angegebene Domain gebunden. Er schaltet die Kernplattform frei – Content-Management, Sites, Seiten, Headless-APIs und Workflows – sowie Clustering auf bis zu drei Knoten. Liferay selbst positioniert den Tier für Lernzwecke, Entwicklung, Einsätze in kleinem Umfang und Proof-of-Concept-Projekte.

Für Hochschulen entscheidend sind die Ausschlüsse. Die Dokumentation von Liferay führt Multi-Faktor-Authentifizierung, SAML und erweitertes Such-Tuning unter den Funktionen auf, die eine Enterprise Subscription erfordern. Wo das Single Sign-on des Campus auf SAML basiert – über Shibboleth oder Föderationen wie InCommon und eduGAIN –, lässt sich ein Produktivportal auf dem Free Tier kaum rechtfertigen. Auch Updates sind eingeschränkt: Nutzer des Free Tier können die Releases jedes Quartals von der Version .0 bis zu dem Patch installieren, den Liferay für dieses Quartal als stabil einstuft; spätere Patches bleiben Abonnenten vorbehalten.

Der Quellcode von Liferay bleibt offen. Laut dem Unternehmen ist er unter der LGPL im Master-Branch für alle verfügbar, die lieber selbst daraus bauen möchten – allerdings bewegt man sich mit einem eigenen Build außerhalb der getesteten Releases und des Herstellersupports. Liferay veröffentlicht keine Listenpreise; Angebote für Abonnements erstellt das Vertriebsteam. Unsere TCO-Analyse von Open-Source- und lizenzierten Systemen zeigt, wie sich die langfristigen Kosten beider Modelle vergleichen lassen.

Das Modell von Drupal ist einfacher. Drupal steht unter der GPL, Version 2 oder höher, und jedes Release von Core und Contributed-Modulen – Sicherheitsreleases eingeschlossen – ist für alle identisch. Die Anmeldung per SAML übernehmen kostenlose Contributed-Module: Das Modul SAML Authentication etwa meldet mehr als 19.000 Websites, und sein stabiles Release fällt unter die Security-Advisory-Richtlinie von Drupal. Die Einrichtung erklärt unser Leitfaden zur Drupal-SSO-Integration mit SAML, Shibboleth, LDAP und CAS.

Drupal vs. Liferay für Hochschulen: der direkte Vergleich

Die folgende Tabelle fasst die Kriterien zusammen, die Hochschulteams üblicherweise abwägen. Die Marktanteilszahlen stammen aus W3Techs-Daten vom 8. Oktober 2026.

KriteriumDrupalLiferay
KernstärkeÖffentliche Websites und Multisite-NetzwerkeAuthentifizierte Portale, Intranets und interne Anwendungen
LizenzGPL v2 oder höher; jedes Release ist kostenlosQuellcode unter LGPL; fertige Releases über den Free Tier oder eine Enterprise Subscription
LaufzeitumgebungPHPJava
SAML-Single-Sign-onKostenlose Contributed-ModuleErfordert eine Enterprise Subscription
SucheDatenbanksuche im Core; Solr o. Ä. bei Bedarf ergänzbarSeparater Elasticsearch-, OpenSearch- oder Solr-Cluster im Produktivbetrieb erforderlich
MehrsprachigkeitÜber 110 Sprachen im Core unterstütztMehrsprachige Inhalte und Lokalisierung
BarrierefreiheitCore zielt auf WCAG 2.2 Stufe AAVeröffentlicht VPAT-basierte Accessibility Conformance Reports
SupportmodellCommunity, Agenturen und Hosting-PartnerHerstellersupport mit Enterprise Subscription
Anteil an den Top-10.000-Websites6,7 %0,8 %

Den Ausschlag geben meist die Zeilen Laufzeitumgebung und Suche. Liferay läuft auf Java und benötigt im Produktivbetrieb einen eigenen Such-Cluster; der mitgelieferte Elasticsearch-Sidecar ist nur für Tests gedacht. Für ein IT-Team, das bereits Java-Dienste und Elasticsearch betreibt, ist das keine Hürde. Ein Team, das auf PHP und Standard-Linux-Hosting ausgerichtet ist, wird feststellen, dass Drupal besser zu seinen vorhandenen Kompetenzen passt.

Beide Plattformen betreiben viele Websites, nur auf unterschiedliche Weise. Liferay kann zahlreiche Sites, jede mit eigener Domain, in einer einzigen Installation hosten. Drupal bietet mehrere Wege, Fakultäts- und Institutsseiten aus einer gemeinsamen Codebasis zu betreiben; deren Vor- und Nachteile vergleichen wir in Drupal Multisite für Hochschul-Websites.

Barrierefreiheit und Compliance

Öffentliche Colleges und Universitäten in den USA unterliegen der Regel des US-Justizministeriums (DOJ) zur Web-Barrierefreiheit nach Title II des ADA, die WCAG 2.1 Stufe AA als technischen Standard heranzieht. Nach der Änderung des DOJ vom 20. April 2026 gelten als Fristen der 26. April 2027 für öffentliche Stellen, die 50.000 oder mehr Menschen versorgen, und der 26. April 2028 für kleinere Stellen und Special District Governments. In Europa setzt die EN 301 549 den Maßstab für Websites und Apps des öffentlichen Sektors.

Keine der beiden Plattformen macht eine Website von sich aus konform; Themes, Komponenten und Inhalte entscheiden über das Ergebnis. Der Unterschied liegt darin, wozu sich das jeweilige Projekt verpflichtet. Der Drupal-Core zielt sowohl für öffentliche als auch für administrative Oberflächen auf WCAG 2.2 Stufe AA, weist aber darauf hin, dass einzelne Websites und Contributed-Projekte weiterhin eigens geprüft werden müssen. Liferay veröffentlicht für seine Verwaltungs- und Site-Oberflächen Accessibility Conformance Reports auf Basis von VPAT 2.5, die Beschaffungsteams vor der Vertragsunterzeichnung prüfen können.

Beim Datenschutz gilt eine ähnliche Logik. Beide Plattformen lassen sich selbst hosten, sodass personenbezogene Daten auf einer Infrastruktur bleiben, die die Hochschule kontrolliert. Fällt die Wahl auf eine Hersteller-Cloud oder einen Managed-Hosting-Dienst, verlangt die DSGVO Klarheit darüber, wo personenbezogene Daten verarbeitet werden und auf welchem Übermittlungsmechanismus dies beruht.

Wann Liferay die bessere Wahl ist – und wo Drupal an Grenzen stößt

Liferay ist sinnvoll, wenn der Schwerpunkt auf einem großen authentifizierten Portal liegt und nicht auf der öffentlichen Website. Dokumentenmanagement, Formulare, Genehmigungs-Workflows und Low-Code-App-Entwicklung kommen aus einer Plattform. Arbeitet das IT-Team mit Java und wünscht sich die Leitung einen einzigen Anbieter, der im Rahmen eines Supportvertrags in der Verantwortung steht, liefert das Abonnementmodell von Liferay genau das.

Auch Drupal hat echte Grenzen. Portalfunktionen kommen nicht als fertige Suite, sondern werden aus Modulen und individueller Entwicklung zusammengesetzt. Hinter der Plattform steht kein einzelner kommerzieller Anbieter, der Support kommt daher von Agenturen und Hosting-Partnern. Die Wartungsqualität der Contributed-Module ist unterschiedlich: Die Projektseite von SAML Authentication räumt selbst ein, dass die Wartung hinterherhinkt, weil sie ehrenamtlich erfolgt, merkt aber an, dass dies die meisten Websites, die das Modul nutzen, bekanntermaßen nicht beeinträchtigt. Auch größere Upgrades brauchen einen Zeitplan. Drupal 12 ist für Dezember 2026 geplant, und der Sicherheitssupport für Drupal 10.6 endet im selben Monat – Einrichtungen, die noch auf Drupal 10 laufen, sollten ihr Upgrade daher jetzt planen.

So treffen Sie die Entscheidung

Beginnen Sie mit der Aufgabe, nicht mit der Plattform. Geht es um die Hauptwebsite, Fakultäts- und Institutsseiten sowie internationale Inhalte, bewegen Sie sich im Terrain von Drupal – und genau dort entsteht auch die Sichtbarkeit in Suchmaschinen, denn nichts hinter einem Login wird gecrawlt. Geht es um ein Portal, das Daten aus Banner, PeopleSoft oder Workday integriert, rechnen Sie auf beiden Plattformen mit individuellem Integrationsaufwand und wägen Sie die fertigen Portalfunktionen von Liferay gegen die Flexibilität von Drupal ab. Steht Liferay für den Produktivbetrieb zur Wahl, planen Sie die Enterprise Subscription von Anfang an ins Budget ein, statt auf den Free Tier zu setzen. Einen breiteren Blick darauf, wie sich eine Open-Source-Plattform mit einer lizenzierten DXP vergleicht, bietet unser Vergleich Drupal vs. Sitecore für Hochschulen.

Bei Drupart entwickelt das Drupal4edu-Team Drupal-Plattformen für Einrichtungen wie die TED University und die Isik University. Die erste Frage, die wir in jedem Projekt stellen, ist die, mit der dieser Artikel begonnen hat: Welche Inhalte gehören auf die öffentliche Website und welche hinter den Login? Mehr über unseren Ansatz lesen Sie auf unserer Seite Drupal für Bildungseinrichtungen.

Drupal vs. Liferay: häufig gestellte Fragen

Ist Liferay nach dem Ende der Community Edition noch kostenlos?

Teilweise. Die Liferay Community Edition erhielt Anfang 2025 ihr letztes Release. Seit dem Release 2026.Q1 läuft die kostenlose Nutzung über den Free Tier von Liferay DXP, der einen kostenlosen Aktivierungsschlüssel aus dem Liferay Marketplace erfordert. Der Schlüssel gilt 12 Monate, ist an eine Domain gebunden und schaltet Kernfunktionen wie Content-Management, Sites, Workflows und Headless-APIs frei. Multi-Faktor-Authentifizierung, SAML und erweitertes Such-Tuning erfordern eine Enterprise Subscription, und Nutzer des Free Tier erhalten die Releases jedes Quartals nur bis zum festgelegten stabilen Patch. Liferay veröffentlicht keine Abonnementpreise; Angebote erstellt das Vertriebsteam.

Ist Liferay Open Source?

Der Quellcode von Liferay ist offen: Das Unternehmen hält ihn unter der LGPL im Master-Branch verfügbar, und jeder kann daraus bauen. Geändert hat sich 2026 das Vertriebsmodell. Die fertigen, getesteten Releases, die Organisationen einsetzen, laufen nun als eine einzige, per Schlüssel aktivierte Plattform – mit einem kostenlosen Schlüssel für die Kernfunktionen und einem Abonnementschlüssel für den Rest. Ein Build aus dem Quellcode ist möglich, lässt Sie aber ohne getestete Releases und ohne Herstellersupport. Drupal hingegen steht unter der GPL, und jedes Release, einschließlich der Sicherheitsreleases, ist für alle identisch und kostenlos.

Kann Drupal ein Studierendenportal betreiben?

Ja. Rollen und Berechtigungen, SAML-Single-Sign-on-Module und APIs von Drupal reichen aus, um angemeldeten Studierenden personalisierte Inhalte, Dokumente, Formulare und Daten aus einem Campus-Management-System wie Banner, PeopleSoft oder Workday anzuzeigen. Der Unterschied zu Liferay: Nichts davon kommt als fertige Portal-Suite; Module werden im Projekt ausgewählt und Integrationen entwickelt. Für ein Portal, das vor allem Inhalte und eine Handvoll Dienste bereitstellt, ist Drupal eine starke Wahl. Für ein Portal, das viele interne Anwendungen und komplexe Genehmigungs-Workflows bündeln soll, verdient eine portalorientierte Plattform wie Liferay eine ernsthafte Prüfung.

Kann eine Hochschule Drupal und Liferay gemeinsam betreiben?

Ja, und große Universitäten tun das. Stanford betreibt die Websites seiner Fakultäten, Institute und Labore auf Stanford Sites, einer Drupal-Plattform, während eine Fallstudie des Implementierungsdienstleisters Base22 das Portal für Studierende und Lehrende in Stanford als auf Liferay DXP laufend beschreibt. In diesem Modell lebt das Netz der öffentlichen Websites in Drupal und das authentifizierte Portal in Liferay. Zwei Dinge sorgen dafür, dass es funktioniert: Beide Systeme sollten sich gegen denselben Identity Provider authentifizieren, damit sich Nutzer nur einmal anmelden, und beide sollten ein gemeinsames Designsystem nutzen, damit Besucher eine Institution sehen und nicht zwei Plattformen.

Letzte Aktualisierung: 09.10.2026 15:58