Die Wahl des richtigen Content-Management-Systems für eine Institution ist keine rein technische Vorliebe — sie ist eine strategische Entscheidung, die die nächsten fünf bis zehn Jahre der digitalen Infrastruktur prägt. Die Frage taucht meist als „WordPress oder Drupal?" auf, doch die heutige Landschaft ist breiter angelegt: Joomla, Headless-CMS und verwaltete Plattformen gehören alle mit in die Bewertung.
Dieser Artikel beleuchtet, wie sich der CMS-Markt bis 2026 entwickelt hat, worin sich die großen Open-Source-Systeme in ihrer Philosophie unterscheiden, welches Szenario zu welcher Plattform passt und wie insbesondere Bildungseinrichtungen die richtige Wahl treffen können.
Bildungssektor: Marktanteile der CMS im Bildungsbereich
Allgemeine Marktanteilszahlen zeigen, dass WordPress weltweit rund 60 % des Webs ausmacht — eine Zahl, die größtenteils von Blogs und Websites kleiner Unternehmen getrieben wird. Der Bildungssektor erzählt jedoch eine völlig andere Geschichte. Die Anforderungen von Hochschuleinrichtungen an die digitale Infrastruktur — Hunderte von Subsites, mehrsprachige Strukturen, Integrationen mit Studierendeninformationssystemen und LDAP, akademische Content-Architektur, Open Access — unterscheiden sich von denen des allgemeinen Webs, und ebenso unterscheidet sich das CMS, für das sich diese Einrichtungen entscheiden.
Daten aus der umfassenden Studie von The Drop Times, basierend auf dem QS World University Ranking, legen diesen Unterschied klar dar:
| Ranking Segment | Drupal-Verbreitung | Anmerkungen |
|---|---|---|
| Top-100-Universitäten weltweit | 80% | Nutzen Drupal auf mindestens einer ihrer Websites |
| Top-300-Universitäten weltweit | 67% | Betreiben mindestens eine Drupal-Website |
| US-Universitäten im QS Top 300 | 95% | 70 % von ihnen verwalten 10 oder mehr Drupal-Websites |
| Top-100-Universitäten (Hauptwebsite) | 71% | Betreiben ihre primäre Website auf Drupal |
| Alle .edu-Domains | ~28% | Anteil von Drupal an akademischen Domains |
Konkrete Beispiele verleihen der Tabelle Gewicht: Das MIT betreibt mehr als 500 Drupal-Websites über seinen internen Cloud-Dienst, Yale verwaltet seine gesamte Universitätsgemeinschaft über eine institutionelle Drupal-Plattform namens YaleSites, Harvard betreibt seine globalen Support-Services auf Drupal, die OIT-Dokumentation von Princeton führt Drupal als sein Enterprise-CMS, und Oxford veröffentlichte seine Migration als Fallstudie auf drupal.org. Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Türkei, wo die digitale Infrastruktur traditionsreicher Einrichtungen wie der Universität Sabancı, METU und der Yıldız Technical University vom Drupal4edu-Team bei Drupart entwickelt wird — und auch im deutschsprachigen Raum setzen renommierte Hochschulen wie die Universität Heidelberg und die Ruhr-Universität Bochum auf Drupal.
Die entscheidende Erkenntnis lautet: Bei der CMS-Auswahl ist „die beliebteste Option ist die richtige Option" ein irreführender Ansatz. WordPress treibt den Großteil des globalen Webs an, während Drupal die klare Präferenz von Einrichtungen mit den sensibelsten und komplexesten Infrastrukturanforderungen ist — Universitäten, Regierungsbehörden, öffentliche Gesundheitsbehörden, Verteidigungsorganisationen. Dieses Muster besteht seit 25 Jahren, und 2026 hat daran nichts geändert.
WordPress, Drupal und Joomla: drei unterschiedliche Philosophien
Alle drei Open-Source-Systeme ruhen auf demselben Fundament: Sie laufen auf PHP, werden unter der GPL veröffentlicht und lassen sich über ein Modul- oder Plugin-Ökosystem erweitern. Ihre Philosophien unterscheiden sich jedoch deutlich — und genau dieser Unterschied bestimmt, welcher Projekttyp zu welcher Plattform passt.
- WordPress: Entstanden als publishing-orientiertes CMS. Der Ansatz „Inhalt zuerst veröffentlichen, später verfeinern" verleiht ihm die kürzeste Lernkurve der drei Systeme. Ein Ökosystem mit mehr als 60.000 Plugins, eine schnelle Einrichtung und eine freundliche Oberfläche machen es zum unangefochtenen Marktführer bei kleinen und mittelgroßen Projekten. Die Kehrseite: Die Abhängigkeit von Plugins vergrößert die Angriffsfläche — laut Daten von Wordfence stammen rund 56 % der bekannten Angriffsvektoren gegen WordPress-Websites aus Plugin-Schwachstellen.
- Drupal: Struktur steht an erster Stelle. Jeder Inhalt ist ein „Node", und komplexe Beziehungen werden über Content-Typen, Felder, Taxonomie und Views aufgebaut. Mehrsprachige Unterstützung (110+ Sprachen), granulare Berechtigungen und Multisite-Architektur sind allesamt fest im Core verankert. Diese Struktur ist für kleine Projekte überdimensioniert und für große institutionelle Projekte genau richtig. Drupal CMS 2.0, veröffentlicht im Januar 2026, brachte KI-gestützte Content-Tools, einen visuellen Drag-and-Drop-Editor (Canvas) und fertige Website-Vorlagen mit.
- Joomla: Bietet einen Mittelweg zwischen den beiden. Seine Nutzerverwaltung, mehrsprachige Unterstützung und Template-Struktur sind leistungsfähiger als bei WordPress, erreichen aber nicht die Tiefe von Drupal. Sein Marktanteil ist seit 2010 rückläufig, und sein Erweiterungs-Ökosystem ist begrenzter als das der beiden anderen. Eine bestehende Joomla-Website weiterzuführen ist sinnvoll; sie für ein neues institutionelles Projekt zu wählen, erfordert eine gut begründete Argumentation.
Neben diesen drei Systemen gehören auch proprietäre Enterprise-Systeme wie Sitecore, Adobe Experience Manager und TYPO3 Enterprise — sowie neuere Headless-Plattformen wie Strapi, Contentful und Sanity — mit in die Bewertung. Die grundlegende Trennlinie zwischen Open Source und proprietärer Software lässt sich auf zwei Punkte zurückführen: die jährlichen Lizenzgebühren, die auf der proprietären Seite im Bereich von mehreren Zehntausend Euro beginnen, und die Freiheit über den Quellcode.
Vergleichstabelle: Welches CMS passt zu welchem Szenario?
Die folgende Tabelle stellt die drei am weitesten verbreiteten Open-Source-Systeme anhand mehrerer Kriterien nebeneinander. Es handelt sich nicht um eine absolute „Best-of"-Liste, sondern um eine Orientierungshilfe, die verdeutlicht: Die richtige Frage lautet „Welches ist das beste für uns?"
| Kriterium | WordPress | Drupal | Joomla |
|---|---|---|---|
| Lernkurve | Einfach | Mittel | Mittel |
| Geschwindigkeit der Einrichtung | Sehr schnell | Mit Drupal CMS 2.0 schneller | Schnell |
| Plugins / Module | 60.000+ | 50.000+ | 5.000+ |
| Mehrsprachige Unterstützung | Über Plugins | Fest integriert (110+ Sprachen) | Im Core |
| Multisite | Multisite-Funktion verfügbar | Fest integriert | Begrenzt |
| Berechtigungen | Grundlegend | Granular, rollenbasiert | Fortgeschritten |
| Sicherheitsarchitektur | Plugin-abhängig | Enterprise-Niveau | Mittel |
| Typischer Einsatzbereich | Klein bis mittelgroß | Mittelgroß bis große institutionelle Projekte | Mittelgroß |
Die Tabelle erleichtert eine Entscheidung: für einen Blog, eine persönliche Website oder eine kleine Unternehmenswebsite eignet sich WordPress; für ein hochsensibles, mehrsprachiges Projekt mit institutionellen Integrationsanforderungen ist Drupal in der Regel die bessere Wahl. Joomla bleibt für Organisationen, die es bereits einsetzen, tragfähig, doch bei Projekten, die von Grund auf neu starten, liefert entweder die Benutzerfreundlichkeit von WordPress oder die institutionelle Tiefe von Drupal das stärkere Argument.
Headless-CMS-Alternativen und der Next-Generation-Ansatz
Über den klassischen CMS-Vergleich hinaus hat sich in den letzten Jahren eine weitere Alternative rasch entwickelt: Headless-CMS. Plattformen wie Strapi, Contentful, Sanity und Storyblok fungieren rein als Content-Quelle, während das Frontend mit einem modernen Framework wie Next.js, Astro, React oder Vue aufgebaut wird. Diese Architektur ist besonders attraktiv für Einrichtungen, die Inhalte über mehrere Kanäle verteilen — Web, mobile App, Kiosk, Digital Signage.
Ein Punkt sollte hier geklärt werden: Headless ist keine Alternative zu WordPress und Drupal, sondern eine Architektur, die auf beiden aufgebaut werden kann. Beide können headless betrieben werden — WordPress über seine REST API, Drupal über die im Core enthaltene JSON:API. Drupal ist in diesem Bereich das ausgereiftere der beiden Systeme: GraphQL-Unterstützung, entkoppelte Menüverwaltung und ein progressiver Decoupling-Ansatz sind allesamt Teil der Core-Dokumentation. Für eine Institution, die zu dem Schluss kommt, sie „braucht ein Headless-CMS", ist der Wechsel zu einer separaten Plattform also nicht der einzige Weg — Drupal kann diese Rolle bereits übernehmen.
Der Vorteil reiner Headless-Plattformen liegt darin, dass sie von Grund auf API-first konzipiert sind. Der Nachteil: Content-Redakteure verlieren den Zugriff auf eine integrierte Bearbeitungsoberfläche, Vorschau und Layout-Verwaltung. Für Bildungseinrichtungen ist das oft ein praktisches Hindernis: Wenn Fachbereiche Inhalte selbst eingeben müssen, verlangsamt ein reines API-System die Content-Produktion erheblich.
Welches CMS eignet sich für Bildungseinrichtungen?
Für eine Universität oder eine große Bildungseinrichtung entscheiden meist ein paar zentrale Realitäten die CMS-Frage:
- Seitenanzahl und Content-Komplexität: Eine Universität betreibt in der Regel Dutzende — manchmal Hunderte — von Subsites, die die Hauptwebsite, Fakultäten, Institute, Forschungszentren, die Bibliothek, digitale Archive, Profile von Lehrenden und Bewerbungsportale umfassen. Dieser Umfang erfordert eine Plattform mit fest im Core integrierter Multisite-Architektur.
- Mehrsprachige Anforderungen: Einrichtungen, die sich an internationale Studierende richten, benötigen die Landessprache und Englisch sowie zusätzlich Sprachen wie Arabisch, Russisch, Deutsch und Französisch. Die 110+ im Core integrierten Sprachen von Drupal sind hier entscheidend.
- Institutioneller Integrationsbedarf: Das CMS muss mit Studierendeninformationssystemen, LDAP/CAS, SAP, CRM und LMS-Plattformen zusammenarbeiten. Die API-getriebene Architektur und die ausgereiften Integrationsmodule von Drupal haben sich in diesem Szenario historisch als stark erwiesen.
- Sicherheit und Langlebigkeit: Die digitale Infrastruktur einer Universität wird über einen Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren geplant. Der disziplinierte Sicherheits-Release-Zeitplan von Drupal (gepflegt vom Drupal Security Team) und das Enterprise-taugliche Berechtigungsmodell unterstützen diesen Zeitrahmen.
In der Praxis wenden viele Universitäten eher ein Hybridmodell an als einen Alles-oder-nichts-Ansatz: Die Hauptwebsite der Universität und die Fakultätswebsites laufen unter Drupal Multisite, während studentische Vereine und kleine Werbeblogs auf WordPress liegen.
In der Türkei wird die digitale Infrastruktur etablierter Einrichtungen — darunter die Universität Sabancı, METU, die TED-Universität, die Yıldız Technical University, die Yeditepe-Universität, die Acıbadem-Universität, die Medipol-Universität, die Özyeğin-Universität, die Kadir-Has-Universität, die Işık-Universität und die İstinye-Universität — vom Drupal4edu-Team bei Drupart entwickelt. Das gleiche Muster zeigt sich weltweit bei Harvard, MIT, Stanford, Oxford, Yale und Cornell — sowie, wie bereits erwähnt, auch im deutschsprachigen Raum an Hochschulen wie der Universität Heidelberg und der Ruhr-Universität Bochum. Diese Verbreitung ist kein Zufall; sie ergibt sich daraus, dass die natürlichen Anforderungen des Bildungssektors mit den architektonischen Stärken von Drupal übereinstimmen.
Häufig gestellte Fragen zu Content-Management-Systemen
Welches ist das beste CMS?
Es gibt keine absolute Antwort; das richtige CMS hängt davon ab, was das Projekt benötigt. WordPress kann die bessere Wahl für einen schnell gestarteten Blog oder eine kleine Unternehmenswebsite sein, Drupal für ein großes, mehrsprachiges Universitätsprojekt, Shopify für einen Online-Shop, Squarespace für eine Boutique-Marke. Die institutionelle Version der Frage lautet eigentlich: „Welches CMS kann ich in fünf Jahren noch sinnvoll betreiben, das mein Team verwalten kann und das meine Anforderungen erfüllt?"
Sollte ich mich für Drupal oder WordPress entscheiden?
Skala und Content-Komplexität entscheiden darüber. Für Projekte mit weniger als 20 Seiten, begrenzten Content-Typen, ohne Mehrsprachigkeitsanforderung und wo plugin-basierte Lösungen ausreichen, ist WordPress schnell und ausreichend. Für Universitäten, Regierungsbehörden, mehrsprachige institutionelle Projekte, alles mit Multisite-Anforderung oder alles, was mit LDAP/CAS, Studierendeninformationssystemen oder SAP integriert werden muss, ist Drupal strukturell stärker. Die Entscheidung sollte nicht nur auf den heutigen Bedürfnissen beruhen, sondern auch darauf, wo man sich in fünf Jahren erwartet zu befinden.
Ist Joomla noch eine sinnvolle Wahl?
Für Organisationen, die eine bestehende Joomla-Installation pflegen, ja — es gibt eine aktive Community und regelmäßige Sicherheitsupdates. Bei Projekten, die von Grund auf neu starten, erfordert die Wahl von Joomla eine klare Begründung. Die Benutzerfreundlichkeit und Plugin-Tiefe von WordPress oder die institutionellen Fähigkeiten von Drupal liefern bei den meisten neuen Projekten das stärkere Argument. Der Marktanteil von Joomla sinkt seit 2010 kontinuierlich, und dieser Trend setzt sich auch 2026 fort.
Wie viel kostet eine CMS-Migration?
Eine Migration hängt vom Content-Volumen, der Struktur des bestehenden Systems und dem Umfang der Integrationen ab. Eine große Universitätsmigration wird in der Regel über vier bis acht Monate geplant, und neben dem technischen Arbeitsaufwand machen Content-Restrukturierung, URL-Weiterleitungen und der Wiederaufbau von Templates einen erheblichen Teil des Aufwands aus. Kostentechnisch kann eine Migration am Ende teurer ausfallen als der Aufbau eines neuen CMS von Grund auf — genau deshalb sollte die CMS-Auswahl langfristig durchdacht werden.