Drupal und Joomla sind zwei Open-Source-Content-Management-Systeme, die Anfang der 2000er Jahre entstanden sind und seit mehr als zwei Jahrzehnten institutionelle Projekte antreiben. Beide basieren auf PHP, stehen unter der GPL-Lizenz und werden seit langem im Bildungssektor eingesetzt. Ihre Philosophie, ihre Skalierbarkeit und die Anwendungsszenarien, für die sie sich am besten eignen, unterscheiden sich jedoch deutlich.
Dieser Artikel betrachtet Drupal und Joomla aus der Perspektive von Bildungseinrichtungen. Wir zeigen auf, wo die beiden Plattformen heute stehen, welche Stärken und Schwächen sie im Hochschulumfeld aufweisen, für welche Art von Einrichtung sie sich jeweils eignen und wann es sinnvoll ist, eine bestehende Joomla-Infrastruktur auf Drupal zu migrieren.
Drupal und Joomla: Zwei Open-Source-CMS mit unterschiedlichen Philosophien
Beide Plattformen gehören zu den etablierten Optionen auf dem Markt für Open-Source-CMS, verfolgen jedoch grundlegend verschiedene Ansätze.
- Drupal: Entwickelte sich von Grund auf als CMS mit einer stark strukturierten Content-Architektur. Jedes Inhaltselement wird als „Node“ gespeichert, sodass sich über Inhaltstypen, benutzerdefinierte Felder und Taxonomien komplexe Beziehungen aufbauen lassen. Funktionen wie Multisite-Betrieb, Unterstützung für über 110 Sprachen und ein feingranulares Rechtesystem sind direkt im Core verankert. Diese Architektur macht Drupal zur natürlichen Wahl für anspruchsvolle Projekte wie große Universitäten, Bundes- und Landesbehörden sowie Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens. Eine Hochschule, die Studiengänge, Lehrstühle, Fachbereiche und Module verwaltet, kann all diese Verknüpfungen präzise modellieren – und Inhalte so wiederverwendbar und abfragbar machen, wie es seitenbasierte Systeme kaum leisten können.
- Joomla: Bietet einen Mittelweg zwischen Drupals enterprise-naher Tiefe und der Benutzerfreundlichkeit von WordPress. Mehrsprachigkeit, Benutzergruppen und ein flexibles Template-System sind bereits im Core integriert. Das Ökosystem an Erweiterungen ist zwar kompakter als bei Drupal, aber stärker auf sofort einsatzbereite Komplettlösungen ausgerichtet – der „Out-of-the-Box“-Ansatz von Joomla steht hier dem Baukastenprinzip von Drupal gegenüber. Insbesondere das Menüsystem ist außergewöhnlich intuitiv: Die Verknüpfung zwischen Inhalten und Navigation ist leicht verständlich, was Einsteigern bei anderen Systemen häufig Schwierigkeiten bereitet.
Die Lage im Jahr 2026: Joomla 6 und Drupal CMS 2.0
Beide Plattformen haben im vergangenen Jahr bedeutende Versionswechsel vollzogen. Jeder Vergleich muss daher auf den aktuellen Releases aufbauen und darf sich nicht auf ältere Versionen beziehen.
- Joomla 6: Veröffentlicht am 14. Oktober 2025. Zu den wichtigsten Neuerungen gehören automatische Sicherheitsupdates für den Core, Verbesserungen der Developer Experience, ein modernerer Editor (TinyMCE 8), neue Feldtypen sowie erweiterte Funktionen für die Mehrsprachigkeit. Zudem hebt Joomla 6 die Mindestanforderung auf PHP 8.3 an, sodass für Websites auf älteren Versionen zunächst ein Infrastruktur-Update erforderlich ist.
- Drupal CMS 2.0: Erschienen im Januar 2026. Dabei handelt es sich um die neue offizielle Distribution, die auf dem Drupal-Core aufbaut. Sie ermöglicht ein schnelles Setup über die Recipes-Architektur, bietet eine KI-Modulintegration (die bereits auf über 11.000 Produktivsites im Einsatz ist), verfügt über einen visuellen Drag-and-Drop-Editor (Canvas) sowie fertige Website-Templates. Parallel dazu bildet Drupal 11.3 den aktuellen Core-Release, der ebenfalls mindestens PHP 8.3 voraussetzt.
Diese Aktualisierungen zeigen, dass beide Plattformen aktiv weiterentwickelt werden, um den heutigen Anforderungen des Webs gerecht zu werden. Die alte Wahrnehmung, Joomla sei „stagnierend“, hat im Jahr 2026 ihre Gültigkeit verloren. Gleichzeitig öffnet Drupal die im Enterprise-Segment gereifte Architektur durch Drupal CMS nun auch für kleinere Projekte. Es geht im Vergleich also nicht mehr darum, „wer weiter vorne liegt“, sondern „welches System zu welchem Projekt passt“.
Drupal vs. Joomla: Ein Vergleich für Bildungseinrichtungen
Die folgende Tabelle vergleicht die beiden Plattformen anhand der Kriterien, die für eine Universität oder Bildungseinrichtung direkt relevant sind. Sie konzentriert sich auf die spezifischen Anforderungen des Bildungssektors statt auf allgemeine CMS-Funktionen.
| Kriterium | Drupal | Joomla |
|---|---|---|
| Multisite-Architektur | Starke Core-Funktionalität; verwaltet Hunderte von Websites zentral über eine Instanz | Verfügbar, jedoch bei großem Maßstab an strukturellen Grenzen |
| Mehrsprachigkeit | Nativ integriert, Unterstützung für über 110 Sprachen | Nativ integriert, mit Joomla 6 weiter gestärkt |
| Benutzerrechte & Rollen | Feingranular, rollenbasiert, perfekt für Hunderte Redakteure geeignet | Erweitert, Steuerung über Benutzergruppen |
| Integration (Campus-IT, Shibboleth, LDAP/CAS) | Ausgereifte Module, Enterprise-Standard (z. B. DFN-AAI, Shibboleth, LDAP/CAS, SAP) | Möglich, jedoch mit deutlich kleinerem Modul-Ökosystem |
| Strukturierte akademische Inhalte | Native Architektur für Lehrstuhl- / Dozentenprofile, Publikationen und Forschungsberichte | Flexibel, der Aufbau komplexer Datenstrukturen erfordert jedoch Customizing |
| Erweiterungs- & Modul-Ökosystem | Über 50.000 Module, starker Enterprise-Support | Kleineres Ökosystem, fokussiert auf fertige Komplettpakete |
| Hosting-Anforderungen | Benötigt leistungsfähige Infrastruktur (PHP 8.3+, Redis/Varnish empfohlen) | Läuft auch auf moderateren Servern (PHP 8.3+) |
| Einrichtungsgeschwindigkeit | Spürbar schneller durch Drupal CMS 2.0 | Schnelle, browserbasierte Standard-Installation |
| Typischer Anwendungsfall | Große Universitäten, Exzellenzcluster, komplexe & mehrsprachige Hochschulportale | Mittelgroße Schulen, Fachakademien, Stiftungen, Verbands- & Alumni-Websites |
Die Tabelle soll verdeutlichen, dass beide Plattformen in ihren jeweiligen Einsatzbereichen leistungsfähig sind. Man kann keineswegs behaupten, Joomla sei „unzureichend“; doch mit wachsender Skalierung, steigenden Anforderungen an die Mehrsprachigkeit und einer tieferen Systemintegration treten die strukturellen Vorteile von Drupal deutlich hervor.
Wann ist Joomla im Bildungssektor ausreichend?
In bestimmten Szenarien des Bildungswesens stellt Joomla eine praktische und kosteneffiziente Wahl dar. Für folgende Anforderungsprofile bietet Joomla eine starke Grundlage:
- Mittelgroße Schulen und Privatschulen (z. B. Gymnasien, Gesamtschulen oder freie Träger): Einrichtungen, die einsprachig arbeiten, weniger als 10 Subsites betreiben und eine überschaubare Content-Komplexität aufweisen. Grundlegende Anforderungen wie eine Repräsentationswebsite, ein Eltern-/Schülerportal und ein Mitteilungsbereich lassen sich mit Joomla schnell umsetzen.
- Vereine und akademische Gemeinschaften: Für Alumni-Vereinigungen, Studierendenvertretungen (z. B. AStA/Fachschaften) und wissenschaftliche Fachgesellschaften bieten Joomlas Benutzergruppen und fertige Erweiterungspakete ein solides Fundament.
- Weiterbildungseinrichtungen und Zertifikatsprogramme: Für Einheiten oder Institute, die eine eigenständige Landingpage samt einfachem Anmeldeformular benötigen – unabhängig von der zentralen IT-Infrastruktur der Hochschule – ist Joomla vollkommen ausreichend.
- Einrichtungen mit bestehender Joomla-Infrastruktur: Für Organisationen, die Joomla seit Jahren nutzen und deren Redaktionsprozesse auf der Plattform eingespielt sind, stellt das Upgrade auf Joomla 6 einen vernünftigen Fahrplan dar, sofern kein zwingender Migrationsgrund vorliegt.
In diesen Szenarien bietet der Einsatz von Joomla geringere Einrichtungskosten als Drupal, moderatere Serveranforderungen und eine flachere Lernkurve für Redakteurinnen und Redakteure. Diese praktischen Vorteile sind keineswegs zu unterschätzen.
Wo ist Drupal im Bildungsbereich unverzichtbar?
Wenn ein oder mehrere der folgenden Profile zutreffen, ist Drupal die strukturell deutlich bessere Wahl:
- Große Universitäten und Hochschulverbünde: Einrichtungen, die mehr als 20 Subsites für Fakultäten, Institute, Forschungszentren, Bibliotheken und Lehrstuhlprofile zentral verwalten müssen.
- Komplexe Mehrsprachigkeit: Hochschulen mit hohem Anteil internationaler Studierender, die Inhalte in drei oder mehr Sprachen über die Landessprache und Englisch hinaus bereitstellen.
- Integrationsintensive Projekte: Webauftritte, die nahtlos mit Campus-Management-Systemen (z. B. HISinOne, SAP), DFN-AAI (Shibboleth/SAML SSO), LDAP/Active Directory, CRM- und LMS-Plattformen (wie Moodle) interagieren müssen.
- Strukturierte akademische Content-Architektur: Einrichtungen, die Dozentenprofile, Publikationslisten, Forschungsprojekte und Vorlesungsverzeichnisse zentral, strukturiert und wiederverwendbar verwalten wollen.
- Langfristig angelegte Infrastrukturstrategie: Projekte, die auf einen Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren ausgelegt sind und Enterprise-Sicherheitsstandards sowie ein diszipliniertes Release-Management erfordern.
- Sichtbarkeit in akademischen Rankings (z. B. Webometrics): Strategische digitale Ressourcen, die eine saubere Multisite-Struktur, strukturierte Daten (Schema.org) und feingranulare SEO-Steuerung verlangen.
Genoßene Bildungsprojekte von spezialisierten Drupal-Agenturen – wie etwa führende Hochschulen im deutschsprachigen Raum (z. B. die TU München, Universität Wien, ETH Zürich) oder international renommierte Institutionen wie Oxford, Harvard und die NASA – weisen alle eine Gemeinsamkeit auf: Sie erfüllen mehr als eines der oben genannten Kriterien. Dass sich diese Institutionen für Drupal entschieden haben, ist kein Zufall, sondern das Resultat einer exakten Übereinstimmung von komplexen Anforderungen und technologischen Fähigkeiten.
Solltet Ihr eine Migration von Joomla zu Drupal in Betracht ziehen?
Die Entscheidung einer Einrichtung, von einer bestehenden Joomla-Infrastruktur zu Drupal zu wechseln, sollte nicht leichtfertig getroffen werden. Eine Migration erfordert eine konkrete Begründung; die bloße Aussage „neuer oder besser“ reicht allein nicht aus. Wenn jedoch eine oder mehrere der folgenden vier Situationen zutreffen, ist eine Migration eine ernsthafte Überlegung wert:
- Die Grenzen der Skalierbarkeit sind erreicht: Wenn die Anzahl der Websites, Inhaltstypen oder Anforderungen an die Benutzerrechte die strukturellen Grenzen von Joomla belasten, ist Drupal langfristig die geeignetere Plattform.
- Der Bedarf an Mehrsprachigkeit ist gewachsen: Wenn Sie planen, neue Sprachen hinzuzufügen, und die Verwaltung von Übersetzungen zunehmend komplex wird, bietet Drupals native Spracharchitektur bei großem Umfang eine wesentlich komfortablere Lösung.
- Anforderungen an Enterprise-Integrationen sind entstanden: Wenn sich die Notwendigkeit ergeben hat, Campus-Management-Systeme, DFN-AAI (LDAP/Shibboleth), SAP oder CRM-Systeme einzubinden, stellt das Modul-Ökosystem von Drupal deutlich ausgereiftere Lösungen bereit.
- Sicherheits- und Compliance-Anforderungen haben zugenommen: Wenn Vorgaben wie die DSGVO oder die Barrierefreiheit gemäß BITV 2.0 / WCAG 2.2 AA strenger einzuhalten sind, bieten die in Drupals Core integrierten Rechte-, Protokollierungs- und Audit-Strukturen einen konkreten Vorteil.
Ist die Migrationsentscheidung einmal gefallen, dauert eine typische Umstellung von Joomla auf Drupal in der Regel vier bis acht Monate. Die genaue Dauer hängt vom Content-Volumen, dem Grad bestehender Anpassungen und dem Re-Design-Umfang der neuen Drupal-Architektur ab. Genauso kritisch wie die technische Umsetzung sind dabei die Restrukturierung der Inhalte, die Einrichtung von URL-Weiterleitungen sowie der Erhalt der Suchmaschinen-Autorität der alten Seiten. Wie sich diese Autorität bei einem Plattformwechsel erfolgreich übertragen lässt, haben wir bereits in unserem Leitfaden zur Migration von WordPress zu Drupal ausführlich erläutert.
Häufig gestellte Fragen zu Drupal und Joomla
Hat Joomla eine Zukunft?
Ja. Joomla ist eine aktiv weiterentwickelte Plattform mit regelmäßigen Sicherheitsupdates. Joomla 6, erschienen im Oktober 2025, unterstützt die aktive Entwicklung der Plattform mit automatischen Core-Updates und Verbesserungen bei der Mehrsprachigkeit. Dennoch ist sein Marktanteil seit 2010 rückläufig, und das Ökosystem an Erweiterungen ist begrenzter als das von WordPress und Drupal. Für Einrichtungen mit einer bestehenden Joomla-Installation ist der Verbleib auf der Plattform eine völlig vernünftige Entscheidung; wird Joomla hingegen für ein neues Projekt gewählt, sollte diese Entscheidung durch eine klare Begründung eines Experten gestützt werden.
Was ist sicherer, Joomla oder Drupal?
Beide Plattformen unternehmen erhebliche Anstrengungen im Bereich der Sicherheit, jedoch unterscheiden sich ihre Ansätze. Drupal verfügt über ein dediziertes Drupal Security Team für den Core; Sicherheitslücken werden über ein standardisiertes Verfahren (PSA-Benachrichtigungen) veröffentlicht, und eine enterprise-fähige Rechtearchitektur ist direkt im Core integriert. Bei Joomla entstehen Sicherheitslücken meist nicht im Core selbst, sondern durch Erweiterungen von Drittanbietern – ein Muster, das dem von WordPress ähnelt. Für Einrichtungen, die mit hochsensiblen Daten arbeiten – wie etwa Bildungseinrichtungen –, bietet Drupals zentralisierte Sicherheitsstruktur einen praktischen Vorteil.
Wenn meine Joomla-Website wächst, muss ich dann zu Drupal wechseln?
Nein, eine Migration ist nicht zwingend erforderlich, wird jedoch praktisch unvermeidbar, sobald das Wachstum bestimmte Schwellenwerte überschreitet. Wenn die Anzahl der Websites 10 übersteigt, Sie in drei oder mehr Sprachen publizieren, eine tiefe Integration mit Enterprise-Systemen wie Campus-Management-Systemen (z. B. HISinOne, SAP) erforderlich ist oder Hunderte von Redakteuren auf unterschiedlichen Berechtigungsebenen arbeiten, machen sich die strukturellen Grenzen von Joomla bemerkbar. Die Planung einer Migration vor dem Erreichen dieser Schwellenwerte kann der richtige Schritt sein; andernfalls steht man Jahre später vor einer weit komplexeren Migration.
Kann unsere Einrichtung sowohl Joomla als auch Drupal nutzen?
Ja, ein hybrides Modell ist möglich. Die Hauptwebsite der Universität und große Fakultäten können unter Drupal-Multisite laufen, während kleinere Einrichtungssites, der Alumni-Verein oder Seiten von Studierendenclubs auf der bestehenden Joomla-Infrastruktur verbleiben. Hybride Ansätze wie dieser stellen einen praktischen Fahrplan dar – insbesondere für Institutionen, die über viele Jahre hinweg digitale Inhalte auf unterschiedlichen Plattformen angesammelt haben. Entscheidend ist dabei, beide Plattformen auf dem neuesten Stand zu halten, deren Sicherheitsaktualisierungen diszipliniert zu überwachen und eine einheitliche User Experience im Hinblick auf die Markenidentität zu gewährleisten.